Presse

Märkische Allgemeine Zeitung 25.06.2016

“Der geheime Garten” von Jörg Menge

Der Falkenseer Maler Jörg Menge entdeckt neue Seiten an sich und nimmt die Betrachter mit in einen geheimen Garten. In der Kulturmühle Perwenitz zeigt er ab Sonntag seine Bilder, die in der freien Natur entstanden sind.

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Aus dem Leben eines Fauns, so hatte der Falkenseer Maler einst eine seiner großen Personalausstellungen überschrieben. Nun ist der Faun auf den Baum geklettert und hat die Natur entdeckt. Denn: Menge hat die Natur entdeckt. Davon kündet seine neue Ausstellung, die ab Sonntag in der Perwenitzer Kulturmühle gezeigt wird.

„Ich bin ein Freiluftmaler geworden“, lacht Menge, der seine ausdrucksstarken Bilder sonst im kleinen Atelier schafft. Als er im Frühjahr an einem Malpleinair auf der Insel Usedom war, hat er draußen gemalt. „Ich kam auf die Insel, da lagen zwei Schweine am Wegesrand, da musste ich erst mal anhalten und malen“, erzählt er. Er hat gemalt, gemalt, gemalt. „Es war wie ein Rausch“, erzählt er von den Tagen am Meer, „ich bin um 5 Uhr aufgestanden und habe gemalt. Es war eine Lust.“ Seit Studienzeiten – Menge hatte in den 80er-Jahren an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee studiert – hatte er nicht mehr draußen gemalt.

Impuls unter märkischen Kiefern

Und noch einen Impuls hatte er erhalten: von einem kleinen Wochenendgrundstück unter märkischen Kiefern. „Da sitze ich und male“, erzählt er. Was, das ist in der Ausstellung zu sehen. Die kleinformatigen Bilder aus dem märkischen Wald sind kleine Meisterwerke. Immer mehr hat sich der Maler vom natürlichen Vorbild gelöst, gibt dem Wald eine eigene Farbigkeit – blaue Baumstämme, roter Himmel, lila Gras – das knüpft an beste deutsche expressive Mal- und Farbtraditionen an. Mit einfachen Farbstiften hat der Falkenseer seine Naturbeobachtungen gestaltet. Trotzdem ist Jörg Menge kein Blumen- oder Bäumemaler geworden. Sein Thema ist und bleibt der Mensch. Auch der Faun, eines seiner beliebtesten Figuren, die er immer wieder in seinen Bildern auftauchen lässt, hat Lust auf Natur bekommen. Er klettert in den sonnendurchtupften Baum und hält uns von dort den Spiegel der Erkenntnis vor.

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Einladung nach Lissabon

In der Perwenitzer Ausstellung „Der geheime Garten“ beweist Jörg Menge einmal mehr sein großes zeichnerisches und malerisches Können. Und er macht das mit einer Lust, die auf die Betrachter übergeht. Neue Bilder hat der Maler dabei schon längst wieder im Blick. Die Künstlergruppe, die im Mai auf der Insel Usedom malte, ist inzwischen nach Lissabon eingeladen worden. Mal sehen, was der Faun dann in der alten portugiesischen Stadt so macht.

Termin : Die Ausstellung in der Kulturmühle Perwenitz, Dorfstraße 1, wird am Sonntag um 13 Uhr eröffnet. Die Bilder werden bis zum 28. August 2016 gezeigt.

Von Marlies Schnaibel

 

Märkische Allgemeine Zeitung 16.09.2015

Malerei von Jörg Menge “Aus dem Leben eines Fauns”

Der Falkenseer Maler Jörg Menge zeigt im Gotischen Haus von Spandau seine magischen Menschenbilder. Als Maler, Grafiker und Filmemacher setzt der gebürtige Leipziger Maßstäbe.

von  Marlies Schnaibel

Jörg Menge vor dem 2015 entstandenen Bild „Der Spatz in der Hand“.

 

Die Farben in den neuen Bildern sind kräftiger, aber nicht lebensfroher. Die Figuren des Falkenseer Malers Jörg Menge bleiben Suchende, Gierige, Irrende, Getriebene. Der Suggestion seiner Malerei kann sich der Betrachter schwer entziehen: Diese Bilder ziehen magisch an. Menge bleibt ein Zauberer an der Leinwand.

Im Gotischen Haus von Spandau, der ersten Adresse, wenn es um Ausstellungen in dem Berliner Havelbezirk geht, zeigt der Falkenseer seine Malerei unter dem Titel “Aus dem Leben eines Fauns”. Die große Einzelausstellung belegt einmal mehr, dass Menge zu den besten Malern des Landes gehört.

Bilder aus fast 20 Jahren sind in der Spandauer Ausstellung zu sehen. Sie zeigen manche stilistische Wandlung, aber sie zeigen auch, dass sich dieser Maler im Kern treu geblieben ist: Er ist auf der Suche nach dem, was den Menschen ausmacht. Was treibt ihn um? Was verbindet ihn mit seinem Nachbarn? Ist er allein in der Gemeinschaft?

Aber was heißt hier Gemeinschaft. Oft hat Menge seine Figuren in verschlungenen Körpergruppen auf die Leinwand gebannt. Sie scheinen zu schweben, im Wasser, oder in der Luft. Aber es scheint kein leichtes, freudvolles Schweben zu sein. Sondern eines von Spannung und Konflikten getriebenes. Oft erotisch aufgeladen. Die Figuren scheinen aus dem Bild fliehen zu wollen, geradewegs auf uns zu. Fast ist es so, als wollten sie mit ihren großen Händen, mit den langen Fingern nach uns greifen, um uns mitzuziehen in den Strudel ihres Daseins. “Sommergäste” und “Froschkönig” sind solche aufgeladenen Menschenbilder.

Über den Arbeiten von Menge liegt “auch immer ein Firnis der Trauer”, so hat es Christian Michelsen in einem Katalogtext einst über Menges Bilder geschrieben. Menge mag diese Formulierung von der Firnis der Trauer. Und vielleicht liegt darin die Ambivalenz des Künstlers, der selbst als besonders geselliger und fröhlicher Zeitgenosse daherkommt, in seinen Bildern aber die Abgründe menschlichen Seins festzuhalten vermag. Bei aller körperlichen Nähe der oft verschlungenen Figuren bleibt doch jeder für sich. Hier ist nichts Heiteres, Geselliges, Fröhliches.

Menge selbst ist Faun, Narr, Froschkönig, Pierrot. Immer wieder schaut er den Betrachter aus seinen Bildern an – direkt, fordernd. Seine Gabe hat sich früh gezeigt. 1960 in Leipzig geboren, wuchs er in Berlin auf, wo er an der Kunsthochschule Weißensee Malerei und Grafik studierte und schon 1985 seine Bilder im Deutschen Kulturzentrum in Paris zeigen konnte. Nach dem Ende der Studienzeit zog er nach Falkensee, wo es ihn aber nicht allzu lange hielt. Bald pendelte er zwischen Falkensee, Berlin und dem Darß, die offenen Grenzen ließen ihn die Welt erkunden: im Senegal, in Spanien, Frankreich, Schweden. Menge zeigte seine Bilder in Moskau, auf Rügen, in Wien; mit Malerkollege Helge Warme gestaltete er Hauswände, schuf ein Fries für die katholische Kirche Storkow-Hubertushöhe, fertigte ein Wandbild für den Polstermarkt in Falkensee.

Auch als Dozent war Jörg Menge unterwegs. Von 2003 bis 2008 als Professor an der German Film School for digital production in Elstal, danach an der Mediadesignhochschule Berlin. Da hat er nicht nur seine zeichnerische Sicht auf die Dinge weitergegeben, sondern sich selbst dem Medium Film genähert. Dem war er als junger Mann einmal sehr nahe gekommen, er hatte sich sogar bei der Filmhochschule “Ernst Busch” beworben, dann aber doch den Weg der Malerei eingeschlagen. Heute macht er selbst Filme, in die seine Maler-Kompetenz einfließt. So war er mit seinem Animationsfilm “Satisfaction” Teilnehmer des Shortfilmfestivals in Bogotá.

Potsdamer Neueste Nachrichten 25.6.2015

GALERIE AM JÄGERTOR

Fliegen mit den Musen

von Steffi Pyanoe

Die Muse, sie ist überall. Sie räkelt sich auf dem Rücken liegend, sie döst, sie steht, die Arme verschränkt hinter dem Kopf, der Blick nach unten gerichtet. In all ihrer Sinnlichkeit und Fleischlichkeit, Muskelstränge, Haut und Haar. Der Maler hat mit dicken, weichen Pinselstrichen, mit Weiß, Schwarz und Rosa, Formen und Schattierungen herausgearbeitet, die Muse liebevoll werden lassen, eingehüllt in einen Farbkanon. Jörg Menge ist meisterhaft in seiner Art, Figürlichkeit zu zeigen. So sehr, dass man zugreifen möchte. Dass es nie langweilig wird und man nicht aufhören will, die Gestalt zu betrachten. Sie könnte schließlich in dem Augenblick, da man sich vom Bild abwendet, lebendig werden, sich bewegen, bequemer lagern, die Haare neu ordnen, den Kopf drehen.

Die Bilder des Malers aus Falkensee sind ab morgigem Freitag in der Galerie am Jägertor zu sehen. Nicht zum ersten Mal, Galeristin Kornelia Tappert hat Menge bereits einmal Platz in ihrem kleinen Domizil eingerichtet, nachdem sie ihn auf der Künstlermesse Art Brandenburg kennen gelernt hatte. „Er ist jemand, der auch Hände malen kann“, sagt sie begeistert. Hände, diese Anhängsel, sind wichtig für Menge. Sie sind die letzte Chance, so scheint es, den gewünschten Ausdruck im Bild umzusetzen. Die Hände, sie kommen dem Betrachter am nächsten, deuten, zeigen, greifen, halten fest, halten inne. Menge malt die Gliedmaßen in Proportionen, wie sie zum Standort, zur Perspektive des Besuchers passen.

„Das können nicht mehr alle. Man sieht, dass er Kunst studiert hat“, sagt Kornelia Tappert. Jörg Menge, geboren 1960 in Leipzig, studiert in den 80er Jahren an der Kunsthochschule Berlin Weißensee Malerei und Grafik. Er arbeitet in Berlin, auf dem Darß und in Falkensee, unterrichtet und stellt aus, zeigt seine Werke im In- und Ausland, auch in Paris und Moskau, Wien, Dakar, Trelleborg und Budapest. Neben Malerei und Grafik produziert Menge auch baugebundene Kunst, Mosaiken, Wandmalerei und Glasmalerei in privaten und öffentlichen Räumen.

In Potsdam zeigt er neue Bilder, Großes und Kleines, aber immer mit dieser Lust gemalt, die alles griffig und lebendig werden lässt. So dass am Ende eine Geschichte erzählt werden will. „Flugtag“ heißt ein Bild (Foto), das vier Männer zeigt, die im haltlosen Raum hängen, schweben, sich begegnen. Als habe der Maler durch ein Objektiv geschaut und mal kurz drauf gedrückt, so wirkt die Zufallsinszenierung – auch weil die Figuren das Format des Bildes irgendwie ohne System, seltsam verschoben, in eine Ecke gequetscht, belegen. Den vorgegebenen Rahmen nicht ausfüllen. Der verbleibende leere Raum, himmelblau getuscht wie für eine Farbübung, irritiert. Welche Verschwendung!

Natürlich kommt man dabei ins Grübeln. Niemand fliegt einfach so durch die Luft, warum also wirbeln hier gestandene Kerle durch das Himmelblau? Befreit lachend oder völlig versonnen? Sind sie verrückt? Warum sind sie nackt, warum einer im Anzug, einer halb entkleidet? Macht sich der Maler einen Spaß daraus, uns, den Betrachter, ins Ungewisse zu schicken? Spielt er mit uns?

Das Motiv des Mannes im Anzug rechts oben wiederholt sich. Im Tetraptychon „Die drei Grazien“ schaut er von rechts oben dem Treiben zu, stützt dabei sein Kinn sinnlich-grübelnd in die Hand. Menge ist wieder hintersinnig, malt mehr als drei Frauen ins Bild, dazu Knaben und alte Männer, die sich um die nackten, schlafenden oder toten Grazien kümmern. Die jüngste, die frischeste, ist noch knapp bekleidet; das Alter – Mann oder Frau – in die Ecke gedrängt zum Harlekin. Ein Bilderrätsel in vier Akten, in welches der Maler auch sich selbst eingebaut hat. Einer der Männer im Bild, sagt Kornelia Tappert, sei Menge selbst.

Auch Menges kleine Bleistiftzeichnungen faszinieren. Er macht Anleihen bei Jugendstil und Expressionismus, stets wirken die Bilder wie Übungen zu Körper und Raum. Doch wenn Menge Menschen malt, dann ist er am besten. Dann wird er zum Erzähler. Die Stillleben können da nicht mithalten. Auch wenn seine kleinen Studien, verschrumpelte Äpfel, trockene Blüten, Reife und Vergängnis gut einfangen. Aber sie bleiben eben still.

Zur Vernissage soll es alles andere als still sein. Jörg Menge, der auch Musiker ist, will sein Saxophon mitbringen. Außerdem wird ein Film gezeigt, der in den vergangenen Monaten in Menges Ateliers entstand und zeigt, wie er arbeitet.

Vernissage in der Galerie am Jägertor, Lindenstraße 64,am morgigen Freitag, 26. Juni, um 19 Uhr. Die Ausstellung ist voraussichtlich bis Mitte August zu sehen.

Potsdamer Neueste Nachrichten 31.5.2014

Die Kunst des Augenblicks – Kultur in Potsdam

Die Kunst des Augenblicks

von Gerold Paul

Der Ist-Zustand: Über den Maler Jörg Menge erfährt man wenig, was er zu erzählen hat, findet man in seinen Bildern – wie etwa „Musenkuss“ aus dem Jahr 2013. Foto: Andreas Klaer

Ein Überblick über das Schaffen des Malers Jörg Menge ist in der Galerie Am Jägertor zu sehen

Sehr viel gibt die veröffentlichte Vita des 1960 in Leipzig geborenen Malers Jörg Menge nicht her. Man erfährt lediglich von seinem Studium an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee in den Achtzigerjahren, dass er 1994 ein Kandidat des Landkreises Havelland für den brandenburgischen Kunstpreis war, Ateliers in Berlin, auf dem Darß und in Falkensee betrieb, und nach der Jahrtausendwende sogar „Professor an der German Film School University for digital production“ in Wustermark/Elstal gleich um die Ecke war. Natürlich, Ausstellungen hier und dort, dürftige Auskünfte letztlich für einen Lebendigen über die Wege seines gedachten und ermalten Lebens, fast wie ein Null ouvert.

Aber es gibt ja die Bilder, Bilder eines begnadeten Malers aus den letzten zwanzig Jahren, die derzeit in der Galerie am Jägertor zu sehen sind, und hinter denen sich Jörg Menge wahrlich nicht verstecken muss. Sonst wäre ja auch schließlich die ganze Malerei sinnlos und überflüssig. Ein Mann – viele Bilder also, viele Bilder – ein Mann, Ölbilder, Gezeichnetes, Grafik. Seine Motive sind selbstverständlich eigene, also original. Das Dazugelernte, die Tradition, die Malart sind jeweils einem Vorbild geschuldet, Menges Vita fügte sie diesem Curriculum mit ungewissem Ausgang hinzu.

Dieser Maler lebt in sich und zugleich in einer lebendigen Welt, die ihn trägt, und fordert – und auch mal verlässt. Sein Stil, seine Bilder erzählen von solchen Ist-Zuständen, die Goethe im „Faust“ als Kunst des Moments, des Augenblicks favorisierte, und die sehr wohl mit einem Exitus enden können, geistig oder materiell verstanden.

Einige Besonderheiten sind Menges Malerei eigen: Die Fähigkeit, sich selbst mit ins Bild hineinzunehmen, wortwörtlich als Träger eines Fauns, der seinerseits die mythische Ziege schultert, als Protagonist oder Kommentator einer Idee, als Flötenspieler, als „Kleiner Teufel“ oder als gar seltsamer Don Quichotte, der starr in die seitliche Ferne schaut, während seine Rosinante brav in Richtung des Betrachters trottet. Manchmal erkennt man ihn auch nur an den Augen einer fremden Gestalt. Ein Gaukler, ein Schalk, ein Zungeherausstrecker, ein Maler des heiteren Gemüts, den Menschen und ihrer Welt einen Spiegel vorhaltend: Räkelt euch am Strand? Ihr hängt ja wie in der Luft, und erst eure Gesichter! Oder: Don Quichotte willst du sein? Schau, wie du dabei aussiehst!

Wenn ein Künstler sein Amt als Eulenspiegel wahrnimmt wie Menge hier, hat er die Königsklasse seiner Berufung erreicht, mehr geht nicht, höchstens mehr Geld vom Markt zu schöpfen, aber das trifft hier ja nicht zu. Ob Ölbilder größerer Formate oder filigrane, fast miniaturhafte Federzeichnungen mit Tusche auf ebenfalls größeren Bögen: Jörg Menge hat sich der Darstellung von Menschen verschrieben. Er ist ein hervorragender Porträtist, kann ausdruckstarke Augen malen, und ist noch dazu ein kluger Regisseur seiner Bilder.

Wenige nur, etwa „Warten“, scheinen bis Ultimo durchgearbeitet, die meisten anderen lassen den Hintergrund eher diffus, heben aus einer Figurengruppe meist nur einen Einzelnen heraus, der manchmal mit scharlachroter Signatur gekennzeichnet wird. Die Bildschärfe nimmt dann also von der Peripherie zur Mitte hin zu. Oft überzeichnet er die Extremitäten, bei „Masken“ zum Beispiel, wo lange Finger fast zu Krallen werden. Manche Posen und Arrangements – meist Nackte – erinnern hingegen an die Kunst der Renaissance.

Menge setzt die Tiefenschärfe gerne ein wie auch der mexikanischen Maler David Siqueiros: Alles im Vordergrund wirkt dabei groß bis übergroß, während sich der Rest in der Tiefe des Raumes verliert. Auch die Kunst, mit Weißhöhungen zu arbeiten, gehört zu seinen bevorzugten Stilelementen. Und wie wenig braucht er bei „Überfahrt“, um eine Hand zum Leben zu wecken. Von den Farben bevorzugt er die fahlen. Seine Federzeichnungen in Schwarzweiß sind auffallend klein, vielleicht neigen ihre Motive deshalb zu so kompakten, ja geradezu extrem komprimierten Darstellungen. Perlen der Zeichenkunst, von der griechischen Mythologie beseelt, vom Eros, oder vom Tantalos, der seinen Sohn schlachtete, um die Götter zu prüfen und dafür inmitten des Überflusses Durst und Hunger leiden muss, auf ewig. Wo also endet die Überfahrt mit den Übermütigen, von denen einer alles mit seiner Kamera filmt? Warum grinst dieser Säulenheilige mit dem Weinkrug nur so unverschämt vor sich hin, und was hat es mit diesem Standbild für alle Veränderer („Warten“) auf sich, wo der Narr Uniform trägt und einer mit schmutzigen Füßen den Reibach macht? Selige Sommergäste, ein verstorbener und betrauerter Harlekin, ein „Überflieger“ und andere Zeitgenossen der Maljahre 2006 bis 2013 tummeln sich im Kosmos von Jörg Menge, alle so souverän wie der Maler selbst. Bilder des Spotts und des eher sanften Zorns, nicht maßlos in ihrem Wollen, nachdrücklich aber schon. Da schaute man gern mehrmals hin – der Augenblick aber verhindert das.